Ahoi auf der Donau – Unser Gewinner berichtet

Ahoi von der River Explorer

Foto: 1AVista Reisen

Eigentlich wollt ich von Schleusen erzählen, von blühenden Aprikosenbäumen und von halb beladenen Schiebeschleppern, aber Moooooment!

Am Besten ist’s doch, ich fang mal von Anfang an, wie ich zu dieser Reise gekommen bin. Ich hab ganz einfach bei einem Preisausschreiben mitgemacht. Nee, nicht für ’ne Kaffeefahrt, sondert für ’ne Kreuzfahrt. Und zwar bei Schiffsjournal.de, und siehe da, Fortuna meinte es gut mit mir und schenkte mir den Hauptgewinn, eine 7-tägige Donaukreuzfahrt für 2 Personen auf der MS River Explorer von Passau nach Budapest. Wow, gewonnen hab ich schon lange nichts mehr und rein statistisch gesehen, wäre ich schon vor 200 Tagen dran gewesen, denn es gibt tatsächlich Untersuchungen, die besagen, das jeder Mensch durchschnittlich alle 3 Jahre und 4 Monate etwas gewinnt. Das wäre bei mir demnach im November 2011 gewesen. Satz mit X, war aber nix. Dafür dann eben jetzt eine Reise für zwei Personen mit all inclusive in einer Superior Kabine mit Panoramafenster auf einem 4,5 * Schifferl. Meine Reisebegleitung war Peter, der Leiseschnarcher, der mich schon auf den letzten Reisen begleitet und beschnarcht hat. So, und mit diesen Erklärungen sind wir endlich beim Anfang der Donaureise-Kolumne angelangt!

 

PASSAU

Foto: Franz D.

Der Weg von mir bis nach Passau ist relativ einfach. Dank der deutschen Bahn gibts die Möglichkeit, für 21 Euronen von meiner Haustüre bis nach Passau zu kommen. Die Bahnfahrt war sehr interessant, zumal am Nachbartisch eine junge Dame beschlossen hatte, unmittelbar vor unseren Nasen Ihrer Handtasche eine neue Inneneinrichtung zu geben. Ich staune ja immer wieder, was Frauen zwischen 30 und 40 in einem 0,02 qm großen Raum alles unterbringen können. 2 Handys, 1 Brigitte, 1 Echo der Frau, 1 Haarspray, 4 Schlüsselbunde, 3 Bücher, 1 Strumpfhose, 4 Kondome, diverse Medikamente, 3 (!) Sonnenbrillen und ein paar Socken. Von den 20 Büroklammern und 5 Haargummis in Regenbogenfarben red ich jetzt gar nicht.

Aber das hat so wenig mit Passau zu tun wie der Papst mit McDonalds. Also raus dem dem Regionalexpress und rein in den Bus, der uns nach Lindau – nein nicht am Bodensee, sondern etwas außerhalb von Passau – bringt. Und da steht das Donaumitglied Nr. 112, die MS River Explorer mit Königsblauem Kunstrasen auf dem Sonnendeck und silber/schwarzfarbenen Eloxierten Aluliegen darauf. Besatzungstechnisch laufen ständig 10 sehr wichtige und 15 nur wichtige Personen auf dem 123 Meter langem Schiff ständig hin und her, bis wir endlich ablegen und Passau verlassen. Kurz nach Passau machen wir Bekanntschaft mit Szolt, dem Maitre des Bordrestaurants. Er war zuständig für unseren 6’er Tisch, an dem wir lauter nette Menschen zugewiesen bekamen, die wir beim 4 gängigen Abendmenü näher kennenlernten. Danach gabs noch einen Absacker im Salon. Runter damit und dann schnell schnell raus aufs Oberdeck, um die erste Attraktion mitzubekommen, die erste Schleuseneinfahrt und das Absenken des Schiffes um satte 12 Meter! Imposant muss ich sagen!

 

DÜRNSTEIN

Foto: Franz D.

4 Schleusen später, 07:00 Uhr morgens in Dürnstein/Wachau. Es ist bewölkt und sehr windig, fast sieht es so aus, als ob ein Schneesturm aufzieht, aber der Wettergott ist uns gnädig und jagt nur 3 kleine Schauer vom Himmel. Gut, daß wir einen Leihschirm von Bord der Explorer mitnehmen dürfen, als wir das kleine Örtchen Dürnstein per Pedes erkunden.

Auf dem Klettersteig zur Burg Dürnstein weht es uns fast vom Weg, der übrigens Eselsteig heißt. Oben angekommen, weiß ich auch warum. Wir beiden Esel haben den steilsten und unwegsamsten Steig genommen, um die Burg zu sehen. Auf der anderen Seite gibts nämlich auch noch den Rentnersteig, der zwar 5 Minuten länger dauert, aber wesentlich angenehmer ist, was wir beim Abstieg von der Burg, auf der Richard Löwenherz im Jahre 1566 gefangen war, bemerken.

Dann bummeln wir noch durch die Altstadt vom kleinen Dürnstein, das nur 1 Supermarkt aber gefühlte 953 Souvenirshops besitzt. Der Ort ist durch dir Marillen (Aprikosen) geprägt, deshalb werden Marillen auch in jeglicher Form verkauft. Als Schnaps, als Brand, als Likör, als Sorgentröster, als Seife und, man glaubt es nicht, auch die Kerne der Marillen werden zu Geld gemacht. In zarter Schoki gehüllt und als sogenannte “Hasenbemmerl” für 6,50 € an den Mann bzw. die Frau gebracht. Und erzähl mir jetzt keiner, die Österreicher wären nicht geschäftstüchtig!

 

WIEN

Foto: Franz D.

ist immer eine Reise wert. Wir erreichen die Stadt am Abend des zweiten Tages, während wir beim leckeren Abendessen vom Chefkoch teilverwöhnt werden. Teilverwöhnt deshalb, weil dem Koch oder einem seiner Schergen ein böses Malheur passiert. Das zu Wien passende Nationalgericht namens Kaiserschmarrn kommt am Ende des 4-Gänge Menüs auf unseren Tisch. Schön angerichtet, mit Puderzucker und Zwetschgenrösti. Nach dem ersten Bissen will ich das Ganze am liebsten in hohem Tempo und leicht gebogener Flugbahn aus meinem Mund an die Glasfront des Restaurants befördern, da die schöne Mehlspeis leider völlig versalzen war. Aber nicht nur meine, sondern auch alle anderen 108 Portionen hatten die falsche Zutat intus.

Na Bravo, hätte der alte Kaiser Franz gesagt und den Koch enthaupten lassen. Wir haben ihn aber begnadigt, denn schließlich muss er uns noch 5 Tage die kleinen Tierchen schicken. Welche Tierchen? Na die, die nachts die Kleider enger nähen, umgangssprachlich auch Kalorien genannt.

An dritten Tag unserer Reise krabbeln wir früh um 07:00 aus den Kojen, weil um 09:00 unser Ausflug stattfindet, den wir bei unserem Reiseleiter Alex gebucht haben. Eine Stadtrundfahrt durchs alte Wien steht auf dem Programm, inklusive Spaziergang zum Hundertwasserhaus und Besichtigung der Klo’s des “Hundertwasser-Village”. Ich nehm an, Friedl Hundertwasser hat die selbst entworfen und sogar probegepinktelt. Was er wohl sagen würde, wenn er wüßte, dass heute ein mal Blase entleeren 8 Schilling 40 Groschen kostet? Wahrscheinlich auch “Na Bravo”. Im Anschluss fahren wir Richtung Stephansdom, wo der Eintritt zwar nix kostet, dafür aber jeder Gang z.B. in die Katakomben, den Reliquiensaal, oder die Fahrt zur Pummerin (Glocken). 4 Euro 50 every Thing!

Nachdem damit am Mittag dann auch die kulturellen Pflichten als erledigt betrachtet werden können, fuhren wir wieder zum Schiff, wo der Koch schon wieder einen Anschlag auf unsere Hüften geplant hatte. Lecker, lecker, sag ich da nur. Aber dem Rettungsring gegenarbeitend sind Peter und ich dann nicht in die Freßnarkose gefallen, sondern haben uns aufgemacht, einige Altwiener Cafes zu testen.

Erste Adresse für unseren Pakistanisch-Wiener Taxler war das Cafe Refugio, welches sich dann als “Zimmer” mit 4 Tischen und 10 Stühlen entpuppte. Also abhaken und ab ins nächste. DAS Cafe Sacher hat aber Tortenpreise wie ein Freudenhaus (Stück 4,90 €) und veranlaßt uns dazu, das Cafe Savoy aufzusuchen und ich stelle fest: Beste Wahl! Wiener Altbauschmäh vom Allerfeinsten und die Sahneschnitten liegen nicht nur in der Glasvitrine rum, sondern bedienen auch noch! Du verstehst….

Als wir eine Kardinalsschnitte und eine Wiener Melange dicker sind, besuchen wir noch den Naschmarkt, ähnlich dem Viktualienmarkt in München. Die Unterschiede der beiden: Der Naschmarkt ist fest in türkisch-arabischer Hand und die Verkäufer sind freundlicher als die Münchner. Na Bravo, muss ich schon wieder sagen.

Schließlich haben wir gegen Abend alle Olivenstände durch und fahren mit einem Indisch-österreichischen Taxler nach “Hause”, um die Stadt mit Ziel Esztergom zu verlassen. Bussi und Baba, schönes Wien.

 

ESZTERGOM

Foto: Franz D.

sprich Eschtergom. Sonntag, irgendwas um 07:30 Uhr sind wir in Esztergom angekommen. Die größte Basilika Ungarns befindet sich hier und trohnt wie der Petersdom über der Stadt. Wir haben zu Fuß bei heftigem, kalten Nordwind, aber blauem Himmel die Basilika erklommen und lassen uns von dem Bau tief beeindrucken. Im Dom von Esztergom trafen sich allerlei schwarzberockte Geistliche, um eine Messe zu feiern. Dafür war sogar das ungarische Staatsfernsehen angereist. Sonntag vor Ostern scheint wohl ein wichtiges Datum zu sein, ich bin da ungebildet, was Kirche und Feiertage anbelangt, gestehe ich. Aber nichts desto trotz denke ich mir: ‘Gigantisch, welche Leistungen damals schon unternommen worden, um dieses Bauwerk zu errichten.’

Staunend verlassen wir den Burgberg und machen noch einen Stadtrundgang durch das Städtchen, in dem schon die Zierkirschen und Forsythien um die Wette blühen. Tja, und damit ist genug vom 1000 Jährigen Städtchen Esztergom erzählt, bzw. mehr gibts darüber auch nicht zu berichten. Dafür aber von den nächsten Station, die wir abends erreichen.

 

 

 

BUDAPEST

Foto: Franz D.

Willkommen in Ungarns Hauptstadt. 1,7 Millionen Einwohner leben zwischen Buda (Bergseite) und Pest (Parlamentsseite). Nachdem das Schiff angelegt hat, ziemlich zentral in der Stadt, gibts auch schon wieder was zu Essen – ohne Kaiserschmarrn. Dann steht eine nächtliche Lichterfahrt mit dem Bus auf dem Programm. Budapest leuchtet wie ein Zirkuszelt, besonders die Brücken, die so schöne Namen wie Kettenbrücke, Elisabethbrücke oder Freiheitsbrücke haben. Das Parlament mit seinen 96 Türmchen erstrahlt besonders hell, ebenso die Freiheitsstatue auf dem Gellertberg, von dem die Aussicht über die Stadt einem den Atem raubt, vor allem bei 3 Grad und Ostwind.

Am nächsten Morgen erkunden wir erstmal die Markthalle, die Fußgängerzone Vaci utca, wo es ähnlich wie in Dürnstein gefühlte 953 Souvenirshops mit allem erdenklichen Nippes gibt, den die Welt nicht wirklich braucht. Kühlschrankmagneten, I Love Budapest T-Shirts und Fellmützen in jeder Haarlänge und Farbe mit dem Russischen Hammer & Sichel Zeichen. Also nix besonderes. Allerdings gibt es auch wirklich schöne Ecken in dieser Stadt, das Parlament, den Heldenplatz, das Wasserschloß, die Fischerbastei über der Stadt, die Markthalle, das Cafe New York, die Toiletten vom Hotel Four Seasons, den Gellertberg, das Rudasbad und last but noch least die Uferpromenade vom Hotel Mariott. Dort lernt man sehr nette Menschen kennen, mit denen man schnell ins Gespräch kommt, 24 Jahre alt sind und wohl dem ungarischen Erzengel Gabriel Modell gestanden haben…

Foto: Franz D.

Ein Ausflug der besonderen Art haben wir nachmittags absolviert. Ab in die Puszta. Sehr romantisch mit Kutschfahrt durch die Puszta, mit Marillenschnaps und Piroschka-Brotzeit. Und: Mit echten Männern in wallenden königsblauen Gewändern (wie der Kunstrasen auf dem Sonnendeck) stehen auf Pferden und preschen auf sandigem Boden peitschenschwingend an uns vorbei. Hat ein bisschen was von Marlboro-Romantik und ist billiger als ein Flug nach Texas.

Am schönsten fand ich dann den Besuch der Stallungen, wo die ungarischen Halbblüter und Lippizaner mit ihren Fohlen bestaunt werden durften. Die kleinen Pferdchen sind ja sowas von herzig und haben dort ein schönes Leben, glaub ich mal. Und wenn sie groß sind, dürfen sie jeden Tag Touristen spazierenfahren. Und sollten sie dem Altersheim auskommen, dienen sie immer noch als Genußbringer für alle Fans von Pferdesalami, vermute ich schwer.

 

BRATISLAVA

Foto: Franz D.

heißt die vorletzte Station unserer Reise und nicht der Mann auf dem Bild. Der heißt Mahged und war unser Kellner in der Bar. Mit dem hat das Schiff einen echten Glücksgriff gemacht, denn er ist ein Musterbeispiel an Freundlichkeit und Charme.

Aber ich wollte ja von Bratislava erzählen. Wir erreichten die Stadt am gegen Mittag des vorletzten Tages und hatten einen ebenso ausgezeichneten Liegeplatz wie in Budapest. Direkt vor der Fußgängerzone, gegenüber der Altstadt. Also aussteigen, drei mal umfallen und schon ist man mitten in der Stadt, die absolut sehenswert und super gepflegt ist. So herausgeputzt könnte sie mal ein Anwärter für die Kulturhauptstadt 2014 werden, wenn auch die Uferpromenade frisch gestrichen ist. Cafe an Cafe reiht sich aneinander und hat einen liebenswerten Charme. Zumal uns auch das Wetter mit 20 Grad verwöhnt und dazu beiträgt, ein weiteres Highlight dieser Reise zu entdecken, von Mahged mal ganz abgesehen.

Jedenfalls haben wir den schönsten Teil Bratislavas gesehen und lassen uns abends dann an der Bar mit einem Caipi auf die letzte Station unserer Reise einstimmen.

 

MELK

Foto: Franz D.

Letzter Halt vor der Grenze war die Stadt Melk. Auch diese Stadt hat ihren ganz eigenen Charme. Und das Kloster ist ein hochinteressantes Bauwerk. Seit über 900 Jahren leben und arbeiten dort Mönche nach der Regel der Benediktiner. Zur Zeit sind noch 30 Mönche tätig. Die angeschlossene Schule, ein Gymnasium, lehrt ca. 880 Schülern, was das Leben zu bieten hat, bzw. von einem fordert.

Das Kloster gehört übrigens zum Weltkulturerbe der Unesco und wurde zuletzt für 30 Millionen Euro renoviert. Das beeindruckendste für mich war die Bibliothek. Diese umfasst 100.000 Schriften. Würde man die alle lesen, wäre ein Mensch 270 Jahre beschäftigt, hat uns die Führerin erklärt.

So viel Kultur schlägt mir immer aufs Gemüt und ich werd dann hungrig nach Süßigkeiten. Nachdem wir aber kein Klostercafe finden können, beschließen Peter und ich, nach der Führung durch die Altstadt zu schlendern und das beliebte Spiel “People watching” auf einer Cafeterasse zu praktizieren. Aber, da die Zeit zu knapp war, haben wir das Spiel dann an Bord gespielt und uns vor dem abendlichen Käptn’s Dinner noch mit Wiener Melange und Himbeertorte den Blutzuckerspiegel auf angenehmes Niveau gebracht.

 

PASSAU

Foto: Franz D.

Ja, das Schild zeigt den richtigen Fluß! Wir haben das Schiff also nicht hinter der ungarischen Grenze nach Paris entführt, sondern sind brav mit den anderen Passagieren wieder nach Passau gefahren.

Fazit: Wir sind insgesamt 1120 KM per Schiff auf der Donau gefahren, haben 11 Schleusen passiert, in denen wir um 130 Meter gesenkt und auch wieder gehoben wurden, haben jeden Tag neue Leute kennengelernt, wissen nun, wie es sich anfühlt, wenn der erste Steuermann dreimal die Schleusenwand touchiert, haben 3 Kilo Lebendgewicht zugenommen und einen Maximalpegel von 1,1 Promille Alkohol erreicht.

Außerdem kenn ich nun die Tortenpreise in Wien, die Verkehrsregeln in Budapest, den Marillenlikör in Dürnstein und ein Getränk namens Raffaelokaffee in Bratislava. Ich habe 5 neue Worte Ungarisch gelernt und kenne die Sondertarife der deutschen Bundesbahn.

Defakto heißt das: Eine schöne Reise, für die ich an meine Gönner, das Schiffsjournal in Berlin und 1A-Vistareisen nochmal ein herzliches Dankeschön sende und Schiff ahoi sage und dem Kapitän der MS River Explorer Pawel Kadlec immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel wünsche!