10 medizinische Tipps vor und während einer Kreuzfahrt

Woran sollte ich vor der Reise denken?

1. Lassen Sie sich vor Reisebeginn reisemedizinisch beraten

Wer eine Ostsee-Minikreuzfahrt macht muss sicherlich nicht zum Reisemediziner. Geht es aber in ferne Länder, dazu noch mit aufregenden Abenteuer-Landausflügen, dann sollte es fest zur Vorbereitung gehören sich von einem erfahrenen Reisemediziner (z.B. unter www.bc-tropen.de) im Vorfeld beraten zu lassen. Hierzu gehört unter anderem die Überprüfung der notwendigen Impfungen. Und bitte denken Sie daran: Eine gute Beratung braucht ein bisschen Zeit. Nehmen Sie ihren Impfausweis mit und gehen Sie mindestens sechs Wochen vor Reisebeginn zum Arzt, da einige Impfungen einen gewissen Vorlauf benötigen um den vollen Schutz zu entwickeln.

2. Denken Sie an ihre eigenen Medikamente

Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, dann denken Sie daran diese in ausreichender Menge einzupacken. An Bord ist zwar ein Hospital, dieses ist aber nicht als Medikamentenlager für alle denkbaren Beschwerden ausgerüstet, sondern vor allen Dingen für Notfälle vorgesehen. Wir empfehlen Ihnen, sich im Zweifelsfall vor Reisebeginn mit der Reederei in Verbindung zu setzen um zu erfragen, ob Sie die benötigten Medikamente an Bord bringen dürfen. Manche Staaten haben sehr rigide Einfuhrbestimmungen und es kann erforderlich sein, dass Sie ein Formular ausfüllen müssen, auf dem Sie ihre mitgeführten Medikamente angeben. Sollten Sie sich Medikamente spritzen müssen (z.B. Insulin) dann informieren Sie bitte ebenfalls die Reederei im Vorfeld, so dass Ihnen ein sicherer Abfallbehälter zum Abwurf der Nadeln zur Verfügung gestellt werden kann. Das Housekeeping-Personal wird es Ihnen danken!

3. Tauchen geplant? Vorher zum Arzt!

Es gibt kaum Schöneres als an aufregenden Tauchplätzen schwerelos die bunte Unterwasserwelt zu erkunden. Wenn es allerdings ihr erstes Mal unter Wasser ist, dann sollten Sie vorher einen Taucherarzt aufsuchen (Adressen unter www.gtuem.de) der Sie auf Ihre Tauchtauglichkeit hin untersucht. Denn es gibt einige Erkrankungen, die Sie über Wasser selber nicht bemerken werden, die unter Wasser jedoch sehr gefährlich sein können. Natürlich gibt es an Bord auch den Schiffsarzt, aber dessen Untersuchungsmöglichkeiten sind begrenzt und es ist immer besser planbare Dinge vorher zu erledigen. Denn schließlich ist der Schiffsarzt auch noch für viele andere Menschen an Bord verantwortlich.

4. Viel trinken bei langen Flugreisen

Beginnt ihr Kreuzfahrtabenteuer mit einer mehrstündigen Flugreise, so denken Sie daran vor und während des Fluges viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Um die Gefahr von Thrombosen zu reduzieren, sollten Sie sich bei Langstreckenflügen regelmäßig bewegen. Zum Beispiel mit einem kleinen Spaziergang über den Gang. Auch das Tragen von sogenannten Reisesocken kann sinnvoll sein. Haben Sie ein erhöhtes Thromboserisiko? Dann sprechen Sie vor der Reise mit Ihrem Hausarzt über entsprechende Vorsichtsmaßnahmen während des Fluges.

5. Schließen Sie eine Auslands-Krankenversicherung ab

Erkranken Sie an Bord, so werden Schiffsarzt, Pflegepersonal und die restliche Besatzung alles in ihrer Macht stehende veranlassen, um sie nach allen Regeln der Kunst zu versorgen. Bitte beachten Sie bei Ihrer Reiseplanung aber, dass ihre normale Krankenkasse für eventuelle Behandlungs- und Medikamentenkosten, Krankenhausaufenthalte oder Ambulanzflüge in der Regel nicht aufkommen wird. Daher können wir nur dringlich empfehlen, eine Auslands-Krankenversicherung abzuschließen. Meist ist diese schon für einen relativ geringen Beitrag zu bekommen.

Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Wie schütze ich mich während der Reise?

1. Waschen Sie sich regelmäßig die Hände

Überall dort, wo viele Menschen auf begrenztem Raum zusammenkommen ist die Händehygiene besonders wichtig. Denn die gleichen Hände mit denen wir auf Toilette gehen, verwenden wir auch um Türen zu öffnen, uns am Treppengeländer festzuhalten oder um uns ein knuspriges Stück Baguette in den Mund zu schieben. Waschen Sie sich also häufig und sorgfältig die Hände mit Wasser und Seife. Dort, wo es Ihnen angeboten wird (z.B. an der Gangway und vor den Restaurants an Bord) benutzen Sie alkoholische Händedesinfektion. Wenn Sie viel auf Landausflüge gehen, kann es Sinn machen sich ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel mitzunehmen. Wir empfehlen Ihnen hier allerdings ein professionelles Produkt aus der Apotheke, das in jedem Fall wirksam gegen Noro-Viren sein sollte. Verreiben Sie die Lösung sorgfältig in den Händen und auch zwischen den Fingern. Lassen Sie sich im Zweifelsfall kurz erklären, wie man eine Händedesinfektion richtig durchführt.

2. Schützen Sie sich vor intensiver Sonneneinstrahlung

Hier gibt es zwei Dinge, die Sie an Bord besonders berücksichtigen sollten: Die Sonne in tropischen Breiten strahlt wesentlich intensiver, als Sie es von zu Hause gewöhnt sein dürften. Hinzu kommt, dass die für Hautalterung und Sonnenbrand verantwortliche UV-Strahlung zusätzlich von der Wasseroberfläche reflektiert wird und Sie so eine höhere Dosis abbekommen, als dies an Land geschieht. Ein schmerzhafter Sonnenbrand entsteht so schneller und ist intensiver. Packen Sie daher einen ausreichend guten Sonnenschutz ein und benutzen sie ihn auch. In den Tropen sollten Sie zudem auf eine Kopfbedeckung achten, wenn Sie sich längere Zeit außen aufhalten.

3. Seien Sie bei Landausflügen ein bisschen achtsam

Aufregende Länder, exotische Gerüche und unbekannte Speisen an jeder Ecke verführen dazu, die Vorsicht buchstäblich über Bord zu werfen. Bleiben Sie achtsam und nehmen Sie Ihren gesunden Menschenverstand mit auf Landgang. Ein leckerer Snack am Straßenrand kann eine geschmackliche Offenbarung sein, oder aber für die Art von Reiseerzählungen sorgen, die auch im engsten Freundeskreis eigentlich niemand hören möchte. Auf Reisen in tropischen Ländern gilt die Grundregel: „Wasch es, schäl es, koch es oder vergiss es!“. Grundlegende Tipps zu einem sinnvollen Verhalten je nach Reiseland bekommen Sie im Rahmen einer guten reisemedizinischen Beratung.

4. Zur Not zum Schiffsarzt

Schiffsarzt? Das klingt auf den ersten Blick nach einem angenehmen Leben mit wenig Arbeit. Aber bitte täuschen Sie sich nicht, denn der Schiffsarzt ist nicht nur für die Notfallversorgung der Passagiere zuständig, sondern vor allen Dingen auch der Hausarzt der Besatzung. Das medizinische Team dieser schwimmenden Kleinstadt hat also auch in ruhigen Zeiten meist genug zu tun. Daher unsere Bitte: Suchen Sie den Schiffsarzt dann auf, wenn Sie es für  notwendig halten, aber nutzen Sie bitte Ihren Urlaub an Bord nicht als Gelegenheit, alle Ihre bisher an Land versäumten Arztbesuche im Bordhospital nachzuholen. Bedenken Sie bei ernsthaften Beschwerden, dass es immer besser ist, sich noch im Hafen beim Schiffsarzt zu melden und nicht erst das Auslaufen abzuwarten.

5. Kein Tauchgang am letzten Urlaubstag

Für erfahrene Taucher ist es eine Selbstverständlichkeit, dass am letzten Tag der Reise vor dem Rückflug nach Hause keine Tauchgänge mehr unternommen werden. Grund dafür sind die deutlichen Druckunterschiede zwischen Tauchgang und Flugzeugkabine. Dies wird Ihnen auch der Taucherarzt erklären, den Sie (wenn Sie während der Reise tauchen gehen möchten) vor Reisebeginn aufsuchen sollten. Also, halten Sie es wie die Profis, und passen Sie ein bisschen auf sich auf. Dann steht einem ungetrübten Reisegenuss nichts im Wege.

Wir danken der Schiffsarztlehrgang GbR für die gute Zusammenarbeit zu diesem wichtigen Thema.

Hintergrundinformationen zum Kieler Schiffsarztlehrgang

Die Kieler Schiffsarztlehrgang GbR wurde im Jahr 2012 gegründet und ist eine Unternehmung dreier Freunde und Experten aus dem Herzen der Maritimen Medizin. Als in der maritimen Szene erfahrene und geschätzte Fachleute wurden sie 2011 angesprochen, ob sie nicht eine zivile Variante des bekannten Schiffsarztlehrgangs der Marine entwickeln und anbieten möchten. Gemeinsam mit vielen erfahrenen Kollegen aus der maritimen Branche und bekannten Fachleuten aus den verschiedensten wichtigen Themenbereichen haben sie sich viel Zeit genommen, um in aller Sorgfalt ein ausgewogenes Konzept zu entwickeln. Seit Anfang 2012 bieten sie erstmals nach den berühmten “Vorlesungen für Schiffsärzte”, die Professor Bernhard Nocht vor über einhundert Jahren in Hamburg abhielt, wieder eine zivile Fortbildungsreihe für Schiffsärzte an. Im Jahr 2016 feiert der Kieler Schiffsarztlehrgang nach 15 Lehrgängen und über 300 zufriedenen Teilnehmern sein fünfjähriges Bestehen. Mehr Informationen unter www.schiffsarztlehrgang.de.

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