Reisebericht: Frühling an der Atlantikküste – Azoren und Westeuropa-Kreuzfahrt mit der MS Hamburg

Im April über Ostern absolvierten wir mit der MS „Hamburg“ von Plantours Kreuzfahrten die letzte Etappe der Winter-Teilreise bis nach Bremerhaven. Lest hier: Was die Azoren sind, außer der Ursprung guten Wetters, was wir auf unserer Reise mit dem klassischen Kreuzfahrtschiff erlebt haben, und was Ihr in den acht angelaufenen Destinationen, wie Lissabon oder der Kanalinsel Jersey, unternehmen könnt!

Ich stehe vorne am Bug der „Hamburg“, dem für mich schönstem Platz des Kreuzfahrtklassikers. Es ist früh am Morgen und ich bin noch alleine auf dieser Außenterasse an Deck. Am Horizont geht hinter einigen Wolken langsam die Sonne auf und der Himmel färbt sich orange. Der Wind weht mir um die Ohren, doch die Temperaturen sind angenehm und unser Schiff wiegt sich nur ganz leicht in den Wellen des Atlantiks. In der Ferne ist immer besser die Azoreninsel Terceira zu erkennen. Nur springende Delfine, welche hier keine Seltenheit sind, hätten die morgendliche Szenarie perfekt gemacht. Ein wunderschöner Moment, von so vielen während unserer Kreuzfahrt mit Plantours Kreuzfahrten.

Foto: Tobias Bruns

Unterwegs sind wir mit der 144 Meter langen MS „Hamburg“, die nun schon bald fünf Jahre zur Flotte des Bremer Reiseveranstalters gehört. Sie ist ein Schiff mit toller Atmosphäre. Es ist das Familiäre, Individuelle, Gemütliche und Gesellige was die 400 Passagiere schätzen. Das kleine aber feine klassische Kreuzfahrtschiff versprüht einen ganz besonderen Charme. Sehr viele sind bereits Stammgäste und kehren immer wieder, auch zu längeren Reisen – teilweis von bis zu mehreren Monaten – an Bord zurück. In einem Bedien- sowie einem Buffetrestaurant, einer Lounge mit kleinem Entertainmentprogramm und auf dem schönen Sonnendeck spielt sich hier ein Großteil des Bordlebens ab.

Foto: Tobias Bruns

Besonders im Mittelpunkt stehen hier natürlich, anders als auf vielen modernen Kreuzfahrtschiffen, die Routen. Und auch die sind, wie unser Schiff, alles andere als 08/15. Highlight der Reise sind die Azoren, ein echter Geheimtipp mitten auf dem Atlantik. Hier hat der Massentourismus noch nicht Einzug gehalten und man erhält einen authentischen Einblick. So machen auf Praia da Graciosa, wo wir am zweiten Tag Station machen, nur vier Kreuzfahrtschiffe im Jahr fest. Anlegen können hier natürlich nur kleine Kreuzfahrtschiffe – ein entscheidender Vorteil.

Foto: Tobias Bruns

Oasen mitten auf dem Atlantik: Zu den Azoren gehören neun Inseln mit insgesamt 245.766 Einwohnern. Die eher wenige bekannte Inselgruppe profitiert zum einen von ihrem fruchtbaren Vulkanboden, wodurch hier nahezu alles wächst, sowie von ihrer geographischen Lage. Als Verbindung zwischen Europa und Amerika ist hier für jeden Transatlantik-Segler ein Haltestopp. Diese verewigen sich meist auf eine der schönen Hafenmauern mit einem Kunstwerk inklusive Schiffsname. „Berge, Wind, Feuer und Einsamkeit“ – Das fanden die Portugiesen bei der Entdeckung im fünfzehnten Jahrhundert hier vor. Im Laufe der Jahrzehnte wurden dann in jeweiligen Epochen verschiedene Güter wie Orangen, Ananas oder Tee angebaut. Auch der Walfang war hier lange Zeit sehr wichtig. Doch insgesamt sind die Azoren wirtschaftlich eher abgeschlagen, aktuell lebt man oftmals von der Viehwirtschaft und die Auswanderungsrate ist hoch. Auch die touristische Infrastruktur ist noch nicht flächendeckend ausgebaut. Doch denen, die den Weg hierher finden wird viel geboten. Besonders landschaftlich sind die neun Inseln, alle mit ganz eigenem Charakter, ein Highlight. Es ist ein Paradies für Naturfreunde und Wanderer: Etwa 70 Pflanzenarten gibt es beispielsweise nur hier. Und so trifft der Titel der zweiwöchigen Kreuzfahrt genau zu: „Es grünt so grün – Auf den Azoren und anderswo“. Und nicht nur auf den Azoren, sondern auch auch in den folgenden Zielen in Portugal, Spanien und dem Vereinigten Königreich.

Tag 1 – Ponta Delgada, Sao Miguel

Foto: Tobias Bruns

Nach einer Nacht in Düsseldorf beginnt unsere Reise am frühen Donnerstagmorgen mit der Anreise nach Ponta Delgada auf der Hauptinsel Sao Miguel. Ein Plantours Kreuzfahrten-Charterflug bringt uns und etwa 300 Mitreisende auf die Azoren. Und so erreicht die Maschine von Air Berlin nach gut vier Stunden das Ziel und bereits im Landeanflug können wir uns ein Bild der Landschaft, der Stadt sowie von unserem Schiff machen. Nach sicherer Landung und kurzer Busreise betreten wir unser zu Hause für die nächsten zwei Wochen: Die MS „Hamburg“ mit ihrer Kreuzfahrtdirektorin Alexandra Cortese begrüßen uns am Terminal, bevor wir nach kurzem Check-In unsere Kabine beziehen.

Foto: Tobias Bruns

Vor der Abfahrt am Abend bleibt dann noch Zeit, um einen Spaziergang in die Stadt zu unternehmen. Ponta Delgada zeigt sich sehr großstädtisch und urban. Das Zentrum, welches sich direkt am Terminal entlang der Uferpromendae säumt, ist sehr schön, sauber und modern sowie historisch zugleich. Die Stadt ist touristisch weitestgehend erschlossen und bietet viele Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für eine mehrstündige Whale Watching Tour auf einem größeren Katamaran. Die Azoren sind einer der besten Plätze der Welt, um die Meerestiere zu beobachten. 24 verschiedene Walarten können hier entdeckt werden, die teilweise dauerhaft hier leben oder die nur auf Wanderungen hier vorbei kommen. Von Land aus wird das Meer per Fernglas abgesucht, eine alte Tradition aus der Walfang-Epoche, und so ist die Chance relativ hoch einige Tiere zu finden. Auch wir hatten Glück: Vier Finnwale konnten nahe unseres Bootes entdeckt werden. Diese zeigen jedoch nur etwa zehn Prozent ihres Körpers über der Wasseroberfläche, sodass der gesamte Wal nur zu erahnen ist. Auch die Sonne zeigte sich nur wenig und wir kehrten wieder in den Hafen zurück. Beim Abendessen hieß es erstmals „Leinen los“ und wir verließen Sao Miguel.

Foto: Tobias Bruns

Tag 2 – Praia da Graciosa, Graciosa

Foto: Tobias Bruns

„Ein Tag in Praia da Graciosa“ oder „Ein kleines Hafendorf, wo die Zeit stehen geblieben zu scheint“ – Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite als wir beim Frühstück draußen am Pooldeck am kleinen Pier, der eigentlich als Fähranleger für die Inselversorgung fungiert, festmachen. Eine touristische Infrastruktur gibt es hier nicht und die Ausflüge werden nicht von hauptamtlichen Reiseleitern begleitet. Wir nutzen den Tag zunächst um den Ort „Praia“, was übersetzt Strand heißt, zu erkunden. Das 900-Seelen-Dorf hat eine eher einfache Bevölkerung und wirkt sehr ursprünglich. Entlang der langen Hafenmauer, an der sich die Bewohner zum Schnack treffen befindet sich die Hauptstraße. Davor ist der weiße Sandstrand, die eigentliche Hauptattraktion, zu finden. Dieser ist allerdings durch die letzte Sturmflut bei unserem Besuch unter anderem von Algen bedeckt.

Foto: Tobias Bruns

Außerdem prägen vier kleine, schwarze und weiße Mühlen den Ort. Früher gab es noch weit mehr davon, die zum Kornmalen verwandt wurden, doch heute befinden sich in den noch bestehenden Ferienwohnungen. Auch mehrere Kirchen sind zu finden, da die Religion hier einen sehr hohen Stellenwert hat. So fand am Nachmittag auch eine Karfreitags-Prozession statt, an der sich nahezu das ganze Dorf beteiligten. Eine bekannte Spezialität sind die Queijadas da Graciosa, süsse Leckereien aus Maismehl, Milch, Eiern und viel Zucker.

Foto: Tobias Bruns

Wir unternahmen später eine lange Wanderung in Richtung Süden. Auf dem Weg können wir immer wieder die uns gut bekannten schwarz weißen Holsteiner Milchkühe entdecken, von denen es hier etwa 6.000 gibt. An der Küstenstraße entlang biegen wir in Richtung der „Furna Do Enxofre“ ab. Diese große Caldera hat einen vulkanischen Ursprung und beherbergt eine interessannte Schwefelgrotte. Nach mehreren Kilometern erreichen wir eine hohe Ebene am Berg. Von hier aus bietet sich ein toller Blick auf Praia sowie die kleine vorgelagerte Insel Ilheu da Praia – eine beeindruckende tiefgrüne Landschaft. Wir kehren schließlich zur MS „Hamburg“ zurück, bevor wir am Abend nach einem tollen Tag wieder auslaufen.

Tag 3 – Praia da Vitoria, Terceira

Die dritte und letzte Station auf den Azoren bildet am Vormittag des dritten Reisetages die Insel Terceira. Sie wurde von Portugiesen als Dritte entdeckt, was ihr den Namen gab, In der zweitgrößten Stadt der Insel, Praia da Vitoria, leben rund 6.200 Einwohner. Ein Shuttle-Bus bringt uns vom Industriehafen in die Innenstadt. Wir machen uns zunächst zu einem tollen Aussichtspunkt auf: Vom Miradouro do Facho, der über eine große Steintreppe zu erreichen ist, bietet sich ein toller Blick über die Stadt und die dazugehörige Bucht. Der anstrengende Aufstieg wird hier definitiv belohnt.

Foto: Tobias Bruns

Von oben können wir bereits die Highlights der Stadt in unmittelbarer Nähe erkennen. Zwei wunderschöne Sandstrande prägen die Wasserkante der Stadt und laden zum Baden, Entspannen und Spazieren ein. Sie werden getrennt von einer modernen Marina, an der einige Sportboote liegen. Auf den Azoren zählen solch tolle Strände zur Seltenheit.

Foto: Tobias Bruns

Wir gehen weiter in Richtung Innenstadt, die sehr modern und touristisch gestaltet ist. Rund um den Hauptplatz und die Fußgänger-Flaniermeile sind zum einen tolle, bunte, ältere Häuser als beispielsweise auch Fast-Food-Ketten zu finden, die sich unter anderem auch durch eine seit dem 2. Weltkrieg bestehende amerikanische Militärbasis ansiedelten. Auch zwei große, sehr schöne Kirchen prägen das Stadtbild. Hervorzuheben ist die weiß-orange Igreja Matriz de Santa Cruz mit einem einem herrlich verzierten gotischen Hauptportal aus dem 15. Jahrhundert.

Bei einem leckeren Barbecue am Pool verlassen wir bereits am Mittag Praia da Vitoria und damit auch die Azoren. 845 Seemeilen bzw. 1.565 km liegen vor uns bis wir Lissabon erreiche.

Tag 4 – Seetag

Foto: Tobias Bruns

Auch ein Seetag an Bord der MS „Hamburg“ ist nicht etwa öde – ein gut gefülltes Tagesprogramm bietet den Passagieren eine Vielzahl von Möglichkeiten den Tag zu gestalten. Während unser Schiff langsam durch den Atlantik gleitet, gibt es Informationen und Vorträge zu bevorstehenden Ausflügen und Destinationen, Obst- und Gemüseschnitzen mit Dekorateur Alex Pereira oder eines von vier Skatturnieren mit Kapitän Vladimir Vorobyov. Highlight am Abend ist das Oster-Gala-Begrüßungs-Abendessen mit festlichem Kleidungsvorschlag. Vorher gibt es in der Lounge einen Cocktail sowie danach die Vorstellung der Bordkünstler.

Tag 5 – Seetag

Kult an Bord ist Bingo. Bei einem Einsatz von fünf Euro geht es im Palmgarten mit Reiseleiterin Olja und zahlreichen Mitspielern rund. Die Ehre sowie das Preisegeld gebührt dem, der die richtigen Zahlen auf seiner Karte erkennt. Doch auch sonst gibt es erneut ein buntes Angebot: Frühsport, Vorträge der Lektoren oder der sehr gute südafrikanische Musiker Joe Curtis mit „Spirit of Gospel“. Erholung auf See und totale Entschleunigung während wir in eine andere Zeitzone wechseln und uns Kontinentaleuropa immer weiter nähern.

Tag 6 – Lissabon

Foto: Tobias Bruns

Ein Einlaufen wie im Bilderbuch: Die MS „Hamburg“ läuft in der Metropole am Tejo ein. Dazu ein perfekter oranger Sonnenaufgang mit einem großen Feuerball über der sich nähernden Silhouette der Stadt. Wir nehmen den Lotsen auf und zahlreiche Passagiere versammeln sich so früh am Morgen auf den Decks, Lektorin Yvonne Schmidt kommentiert die Einfahrt über die Lautsprecher. Schließlich passieren wir das Entdeckerdenkmal sowie den Torré de Belem, die Brücke des 25. Aprils, die stark an die Gold Gate Bridge in Los Angeles erinnert, sowie den Stadtkern und machen gegen 8 Uhr am Kreuzfahrtterminal fest.

Foto: Tobias Bruns

Ein toller, aufregender Tag in Portugals Hauptstadt steht uns bevor. Lissabon ist das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes und zählt über eine halbe Million Einwohner. Vom Schiff aus erreichen wir per Fuß in etwa zwanzig Minuten einer der Hauptplätze, den „Praça do Comércio“, direkt am Ufer. In kurzer Entfernung von hier befindet sich der Startpunkt der sehr berühmten Straßenbahn Nummer 28, die die wichtigsten Bereiche der Stadt durchfährt. Es empfiehlt sich, direkt am Anfang einzusteigen, da die kleine Bahn danach schnell sehr voll wird. Die Fahrt hiermit gehört zu den Dingen, die man in Lissabon gemacht haben sollte und ist eine tolle Erfahrung. Sie vermittelt uns einen super Eindruck der Stadt und so fahren wir einfach bis zur Endstation mit.

Foto: Tobias Bruns

Ein toller Geheimtipp ist zudem der „Time Out Market“. In einer historischen Markthalle sind 24 Restaurants, acht Bars und einige Shops zu finden. In moderner, cooler Atmosphäre laden sie zu einem Kaffee mit landestypischem Gebäck oder Ähnlichem ein.

Foto: Tobias Bruns

Weiter geht es zur wunderschönen Altstadt, der „Alfama“. Bei traumhaften Wetter erkunden wir diese mit ihren traditionsreichen Gebäuden, verwinkelten Gassen und tollen Geschäften und kleinen Restaurants. Es ist viel los, doch es lohnt sich hier ein wenig Zeit zu verbringen. Wir machen uns auf zu den zahlreichen Miradouro’s – Aussichtspunkten, von denen sich ein toller Blick über die Stadt bietet. So auch vom „Miradouro Sophia de Mello Breyner Andresen“ den wir nach einiger Zeit stark bergauf erreichen. Links ist von hier das Castelo de S. Jorge zu sehen und rechts im Hintergrund sogar noch die Brücke des 25. Aprils – ein tolles Panorama, das wir bei einem Kaltgetränk genießen.

Foto: Tobias Bruns

Weiter geht es zum Nationalen Panteon, dem „Panteão Nacional“ oder auch der „Igreja de Santa Engrácia“, die sich in kurzer Entfernung befindet. Dies ist eine imposante große Barockkirche des 17. Jahrhunderts, die erst im 20. Jahrhundert vollendet wurde. Wir haben Glück und so ist der Eintritt heute frei. Das Bauwerk besitzt eine beeindruckende zentrale Kuppel, die besonders toll wirkt, schaut man aus den oberen Stockwerken nach unten. Ganz oben befindet sich zudem eine große Aussichtsplattform, von der man unter anderem einen tollen Blick auf das Kreuzfahrtterminal mit unserer MS „Hamburg“ hat. Von dort aus machen wir uns nach einem anstrengenden Tag zurück zum Schiff auf.

Foto: Tobias Bruns

Doch wir haben noch nicht genug von der tollen Stadt und machen uns zum Sonnenuntergang kurz vor Auslaufen nochmal auf zum „Praça do Comércio“ am Tejo-Ufer. Dort herrscht nun eine richtig tolle, entspannte Stimmung. Ein Seifenblasen-Künstler begeistert die Kinder und eine vierköpfige Band gibt am Ufer ihr Bestes. Viele junge Leute scheinbar aus der ganzen Welt genießen hier den Abend oder flanieren am kleinen Strand. Kurz vor dem Einholen der Gangway genießen wir schließlich ein wohlverdientes Essen aus dem Palmgarten am Pool.

Foto: Tobias Bruns

Und auch das Auslaufen sollte nochmal ein Highlight werden. Langsam zieht in der Dämmerung nun die heute kennengelernte Metropole an uns vorbei. Ein leckerer Tejo-Cocktail wird angeboten und bei sommerlichen Temperaturen lassen wir den Tag auf den Außendecks ausklingen. Da tut es der Stimmung auch kaum Abbruch, dass am Ende des spannenden Verfolgen einiger Interessierter von Sky go auf dem Handy sowie des Livetickers Bayern München gegen Real Madrid unterlag.

Foto: Tobias Bruns

Tag 7 – Seetag

Die „Hamburg“ ist auf dem Weg in Richtung Nordspanien. 695 Kilometer sind es von Lissabon bis zu unserem Zielhafen La Coruña. Eigentlich sollten wir morgen in El Ferrol einlaufen, doch aufgrund der vorhergesagten Wetterbedingungen schwenkte man auf den geschützteren, größeren Hafen um. Wir verbringen einen weiteren schönen und entspannten Seetag. Nachdem wir die Abendshow vom Musiker „Harry Bo“ sahen, fing die MS „Hamburg“ dann deutlich an zu schaukeln, was schlagartig zunahm. „Windstärke 11“, wie sich am nächsten Tag rausstellte.

Tag 8 – La Coruña / Santiago de Compostela

Nach der etwas unruhigen Nacht, sind wir froh wieder festen Füßen unter den Boden zu haben. La Coruña liegt im äußersten Nordwesten Spaniens und gehört zur autonomen Region Galicien. 246.000 Einwohner zählt die Großstadt. Der natürlich geschützte Hafen der Stadt wurde bereits von Phöniziern, Kelten und Römern genutzt und ist bis heute einer der wichtigsten in Nordspanien. Er ist Anlandungspunkt von Pilgern auf dem Jacobsweg, die etwa aus Großbritannien kommen und mit dem Schiff reisen.

Foto: Tobias Bruns

Und dieser Jacobsweg soll uns heute intensiver beschäftigen, denn wir unternehmen einen gut organisierten Ausflug mit Plantours Kreuzfahrten nach Santiago de Compostela. Dies ist die Hauptstadt der Region Galicien und von La Coruña etwa eine Stunde mit dem Bus entfernt. Der Wallfahrtsort ist für die Katholiken die zweit wichtigste Pilgerstadt hinter Rom. Zudem ist sie UNESCO Weltkulturerbe. Verehrt wird hier der Heilige Jacobus, einer der zwölf Jünger Jesu. Dieser missionierte der Legende zufolge nach Christi Himmelfahrt ins heutige Spanien. Später wurde er durch König Herodes geköpft und sein Leichnam zurück ins Gebiet des heutigen Santiago de Compostela gebracht. Spazieren wir nun durch die Innenstadt, herrscht eine unglaublich ruhige, fast andächtige Stimmung. Das Zentrum ist die Weltberühmte gigantische Kathedrale. Diese soll über einer Grabstätte, die dem heiligen Jacobus zugeschrieben wird, stehen. Ihr Bau begann im Jahr 1075 und sie hat eine riesige Grundfläche von 23.000 Quadratmetern. Aktuell ist sie von Konstruktionsgerüsten umgeben, damit sie zum nächsten heiligen Jahr wieder in vollem Glanz erstrahlt. Dem Besucher bietet sich in dem Bauwerk ein beeindruckendes Bild: Unzählige großzügige verschachtelte Räume, Grabstätten, eine Ausstellung und vieles mehr veredelt mit viel Gold und Verzierungen. Eine Besonderheit ist das große Weihrauchfass, welches 1,60 Meter hoch und an 66 Meter langen Seilen befestigt ist. Acht Männer benötigt es um dieses in Bewegung zu setzen. Es sollte ursprünglich den Geruch der Pilger nach ihrem anstrengenden Weg neutralisieren. Und auch heute noch sind hier Gläubige zu finden, die soeben den Weg erfolgreich absolviert haben und sich nun freudig in den Armen liegen. Zum Beispiel auch durch das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling hat der Jacobsweg in den letzten Jahren einen wahrhaften Boom erlebt. Fast 300.000 Menschen konnten den beschwerlichen Weg „zum heiligen Jacobus“ im letzten Jahr hinter sich bringen.

Foto: Tobias Bruns

Zurück am Schiff und nach einer kurzen Pause bleibt am Abend noch Zeit La Coruña zu erkunden. Bei tollem Wetter flanieren wir an der wunderschönen Promenade der Stadt, vorbei an Palmen und Sportbooten. Diese zieht sich über mehrere Kilometer und lädt Spaziergänger, Sportler, Angler und viele mehr an. Schließlich geht es zurück an Bord. Eine weitere stürmische Nacht erwartet uns.

Foto: Tobias Bruns

Tag 9 – Seetag

Die MS „Hamburg“ befindet sich auf dem Weg nach Falmouth in England. Die See in der Bucht von Biskaya ist stürmisch, der Bug bewegt sich langsam hoch und runter, der Himmel ist bewölkt. Die Restaurants sind nicht so gut gefüllt, wie es sonst der Fall ist. Nach dem im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Tag erleben wir schließlich am Abend noch einen Sonnenuntergang, wie man ihn nur auf See erleben kann.

Foto: Tobias Bruns

Tag 10 – Falmouth

Cornwall und seine Landschaften sind von der Autorin Rosamunde Pilcher allseits bekannt – und die Region im Südwesten Englands ist wirklich so schön, wie man sie aus den Filmen kennt. So zumindest unser Eindruck von einem Tag, an dem wir mit der „Hamburg“ in Falmouth liegen. Die kleine Stadt mit etwa 20.000 Einwohnern ist für ihren Hafen berühmt, der zusammen mit den Carrick Roads den drittgrößten Naturhafen der Welt bildet. Dieser hat mittlerweile an Bedeutung verloren, doch beherbergt noch heute eine große Werft und mehrere Militärschiffe. Falmouth könnte man wohl als typisches, klischeehaftes, gemütliches englisches Städtchen bezeichnen. Belebt wird es durch viele Studenten der University College Falmouth.

Foto: Tobias Bruns

Nach dem obligatorischen „Face-Check“ durch die englischen Behörden gehen wir an Land: Unser Kreuzfahrtschiff liegt in unmittelbarere Nähe zur Hauptstraße, die am heutigen Samstag von vielen Einwohnern bevölkert ist. Dort reihen sich nahe am Wasser zahlreiche schöne kleine Geschäfte an. An einem netten Café am Prince of Whales Pier, wo einige Fahrgastschiffe abfahren, nehmen wir einen klassischen „Cornish Cream Tea“ ein. Dieser besteht aus einem schwarzen Tee sowie Scones mit Marmelade und einer Buttercreme. Danach machen wir uns auf den Weg zum wunderschönen Gylly Beach. Zwar spielt das Wetter heute nicht mit, doch ist dieser Strand mit seinem weißen Sand und toller Atmosphäre sowie unzähligen blühenden Blumen im dahinter liegenden Berghang geradezu malerisch.

Foto: Tobias Bruns

Am späten Nachmittag zeigt sich dann schließlich auch die Sonne und bereitet uns ein sehr schönes Auslaufen. Vorbei an zahlreichen Yachten, englischen Herrenhäusern, der Pendennis- sowie der St. Mawes Castle und dem Sail-Away-Cocktail in der Hand verlassen wir Falmouth.

Foto: Tobias Bruns

Tag 11 – St. Helier

„Jersey hat mir noch gefehlt“, sagt der erfahrene Ausflugsleiter Harald Schlichting glücklich, der bereits einen Großteil der Welt per Schiff erkundete und nun auch die Kanalinsel abhaken kann. Zahlreiche Male lief er mit Kreuzfahrtschiffen bereits Jersey an, doch immer scheiterte das Anlanden an schlechten Wetterbedingungen. Heute passt schließlich alles: Die Sonne knallt vom Himmel, die See ist spiegelglatt und zwei Tenderboote der „Hamburg“ können sicher den Weg vom Schiff in den Hafen absolvieren.

Foto: Tobias Bruns

Ein Vormittag ist nun Zeit die mondäne Hauptstadt St. Helier zu erkunden. Die Kanalinseln liegen zwar deutlich näher an der französischen (25 km) als an der englischen (150 km) Küste, doch sind der Englischen Krone unterstellt. Jersey ist 119,6 Quadratkilometer groß, 8 Kilometer breit sowie 14,5 Kilometer lang und damit die größte Kanalinsel. Hier leben 100.000 Menschen. Auffällig ist auch der enorme Tiedenhub mit einem Unterschied von elf Metern zwischen Ebbe und Flut. Wir verbringen den Vormittag in der mondänden Hauptstadt St. Helier. Hier fallen besonders mehrere riesige Marinas mit tollen Yachten ins Auge. Auch zahlreiche teure Hotels wurden erbaut und so hat sich die Insel zum Treffpunkt der Reichen entwickelt. Und dies nicht ohne Grund: Der kilometerlange Sandstrand und die tolle, steinige Landschaft gepaart mit den meisten Sonnenstunden aller britischen Inseln sind traumhaft, warum diese Region auch als europäische Südsee bezeichnet wird.

Foto: Tobias Bruns

Am Ende fehlt wie immer die Zeit um Jersey genauer kennen zu lernen, denn bereits am Mittag heißt es „Anker hoch“ und wir nehmen Kurs auf Dover. Den Nachmittag verbringen wir bei windigem, doch schön sonnigem Wetter an Deck. Nach einem Essen am Pool und einer Pause auf dem Liegestuhl, spielen wir eine Runde des typischen Kreuzfahrer-Spiels Shuffleboard. Am Abend findet dann bereits das große Gala-Abschieds-Dinner inklusive vorherigen Cocktail und folgender Show statt. Das Highlight bildet die traditionelle, aus einer berühmten Fernsehsendung bekannte, Eisbombenparade. Mit Plantours-Flaggen, Eis und natürlich Wunderkerzen bahnt sich die Crew bei toller Stimmung durch das Restaurant. Die Passagiere schwenken  dazu die weißen Servietten während aus den Lautsprechern der Song „Macarena“ ertönt.

Foto: Tobias Bruns

Tag 12 – Dover/London

Dover, das Tor Englands, erreichen wir am Morgen als letzte Destination unserer Reise. Berühmt ist die Stadt mit dem wichtigsten englischen Hafen am Ärmelkanal zum einen für den hier aus Calais in Frankreich ankommenden Euro-Tunnel. Außerdem sind die großen, weißen Kreidefelsen ein landschaftliches Highlight und bieten sich für einen Spaziergang sehr gut an.

Foto: Tobias Bruns

Wir entscheiden uns heute allerdings für einen Ausflug in die Hauptstadt: Mit dem Bus geht es ins rund zwei Stunden entfernte London. London ist eines der bedeutendsten Kultur- und Handelszentren der Welt mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Theatern und Museen sowie einer der größten Finanzplätze. Es befindet sich hier der Sitz des Parlamentes sowie der Königsfamilie. Mehrere historische Gebäude gehören zum UNSECO Weltkuluturerbe. Die Großstadt zählt über 8,5 Millionen Einwohner. Mit 18 Millionen Touristen aus dem Ausland im Jahr ist sie zudem vor Paris und Bangkok die meistbesuchteste Stadt weltweit.

Foto: Tobias Bruns

Hier haben wir nun viereinhalb Stunden Zeit die beeindruckende Metropole auf eigene Faust zu erkunden. Zwar ist dies nicht besonders viel Zeit, doch trotzdem muss man London, das wir von einem vorhergehenden Besuch bereits kennen, einmal gesehen haben, wie wir finden. Vom Ankunftspunkt des Busses in der „City of London“ laufen wir nun in Richtung des Südufers der Themse, die sich gut zum Flanieren eignet und einen schönen Blick auf einen Teil der Skyline bietet. Weiter geht es, vorbei am Riesen Rad „London Eye“ über die Westminster Bridge zum Big Ben mit dem Palace of Westminster, wo das britische Parlament regelmäßig tagt. An diesem geschäftigen Platz befindet sich zudem die Westminster Abbey, der Kirche an der traditionell die Könige von England gekrönt und beigesetzt werden. Wir passieren nun die 10 Downing Street, dem Sitz des Premierministers und erreichen den Trafalgar Square. Hier befindet sich neben der Nelsonsäule mit Brunnen und Löwen auch die nationale Galerie, die bedeutende Kunst vom 13. bis ins 19. Jahrhundert beherbergt. Letzte Station unseres kleinen Einblickes ist der Covent Garden mit einer Fülle kultureller Highlights und Shopping-Möglichkeiten. Wir entscheiden uns zur Stärkung für einen Stand mit „German Hot Dog’s“. Unser Bus wartet schließlich wieder am Treffpunkt und nach zwei weiteren Fahrstunden erreichen wir die MS „Hamburg“.

Foto: Tobias Bruns

Während wir beim Abendessen Dover verlassen und damit Kurs auf Bremerhaven nehmen, findet in der Lounge am späten Abend noch ein Highlight statt: Die Besatzung des Schiffes lädt zur Crewshow. Dabei kommen ungeahnte Talente zum Vorschein und es wird ein buntes Potpourri geboten, darunter Gesang und Sketche. Es treten die Meister der beliebten Karaoke-Maschine im Crewbereich auf und auch die indonesischen Besatzungsmitglieder begeisterten mit einem landestypischen, sehr authentischen Tanz beziehungsweise Kampfzeremonie.

Foto: Tobias Bruns

Tag 13 – Seetag

Die „MS Hamburg“ ist auf dem Weg in Richtung unserer Endstation Bremerhaven. Am Horizont kommen nach den niederländischen Inseln langsam die ostfriesischen Inseln sowie zahlreiche Offshore-Windkraftanlagen zum Vorschein. Programmhöhepunkt am heutigen Tag war das „Musikalische Frühschoppen“. Bei Freibier, Weißwurst und anderen bayerischen Spezialitäten, begleitet von Volksmusik wurde sogar eine Polonaise übers Pooldeck gemacht. Zwar ist der Wind kalt und die See etwas bewegt, doch das tut der fröhlichen Stimmung keinen Abbruch. Schließlich heißt es Koffer packen und langsam verabschieden.

Foto: Tobias Bruns

Tag 14 – Bremerhaven

Nach einer langen Winterreise in Südamerika kehrt die MS „Hamburg“ heute wieder nach Deutschland zurück. Wir verlassen nach einer tollen Reise das inzwischen lieb gewonnene Schiff und machen uns auf dem Weg nach Hause. Selbiges tut auch die Crew, die sich nach langer Zeit an Bord auf ihren Urlaub und ihre Familien in der Heimat freuen. Und auch die „Hamburg“ erhält eine Kur und geht für zwei Wochen ins Bremerhavener Trockendock. Hier steht ebenfalls ein straffes Programm mit einer Vielzahl von Tätigkeiten an, bevor der Kreuzfahrtklassiker in die Sommersaison in Nordeuropa startet.

Alle Eindrücke von dieser Kreuzfahrt finden Sie hier:

http://www.schiffsjournal.de/plantours-kreuzfahrten-angebote/