Meyer Werft in 2015 mit vielen Erfolgen aber getrübten Image

Die Meyer Werft lieferte in 2015 an seinen drei Standorten insgesamt 14 Neubauten ab und hat aktuell einen Auftragsbestand von 28 Schiffen. Jedoch machten die Papenburger auch durchaus negative Schlagzeilen und verloren dabei eine große Portion an Image innerhalb der Region.

Foto: Schiffe-Emden

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PAPENBURG. Aus wirtschaftlicher Sicht war auch das 220. Jahr der Firmengeschichte ein voller Erfolg – am Werftstandort in Papenburg verließen mit der Anthem of the Seas im Frühjahr und der Norwegian Escape im Herbst zwei Kreuzfahrtgiganten das Baudock. Eine neue Baustrategie, bei der schwimmende Megasektionen im 12-Wochen-Takt ausgedockt werden, überzeugte. Auch zahlreiche neue Aufträge konnten seitens der emsländischen Werft gewonnen werden: Royal Caribbean beauftragte die Meyer Werft mit dem vierten und fünftem Quantum-Klassen-Schiff, Saga Cruises baut ihre ersten Neubauten in Papenburg für die das kleinere Baudock reaktiviert wird und auch AIDA Cruises kehrt in der Zukunft nach Papenburg zurück und lässt LNG-Kreuzfahrtschiffe bauen. Ein neues Technologiezentrum feierte ebenfalls Baubeginn.

Die zur Meyer Werft gehörende Neptun Werft in Rostock lieferte 11 Flusskreuzfahrtschiffe an Viking River Cruises ab und wird in der Zukunft neben Sektionen für Papenburg und Turku unter anderem einen LNG-Gastanker für Anthony Veder bauen.

In Turku (Finnland), wo Meyer 2014 die STX Werft übernahm, wurde 2015 die Mein Schiff 4 fertiggestellt. In den kommenden Jahren werden vier weitere Kreuzfahrtschiffe für TUI Cruises, eine umweltfreundliche Fähre für AS Tallink sowie zwei LNG-Kreuzfahrtgiganten für Costa entstehen.

Zahlreiche negative Schlagzeilen machte die Meyer Werft zudem in 2015 und verlor viel Sympathie im Emsland und in Ostfriesland. Die knappe Verabschiedung des Masterplan Ems war für die Papenburger ein wichtiger Schritt für die Zukunft, sorgte aber bei der Landwirtschaft an der Ems für viel Kritik.

Auch als im Juni bekannt wurde, dass die Werft um Bernard Meyer ihren Firmensitz nach Luxemburg verlegen möchte, erntete er massenhaft Kritik. Grund dafür sei es einen Aufsichtsrat zu vermeiden um die Flexibilität zu bewahren, jedoch nicht, um Steuern zu sparen. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies äußerte diesbezüglich öffentlich Enttäuschung.

Damit nicht genug – Im September kündigt die Meyer Werft fristlos dem Betriebsrat-Vorsitzenden Ibrahim Ergin. Eine öffentliche Auseinandersetzung beginnt, die Werft lehnt eine Mediation ab und die Gerichtsverfahren dauern an.

 

(Gastautor: Tobias Bruns von Schiffe-Emden)