10 Fragen an Claudia Nündel – Die neue Kreuzfahrtdirektorin auf der MS Ocean Majesty

Nicht nur in den öffentlichen Räumen des Kreuzfahrtklassikers Ocean Majesty (zum Schiffsportrait) weht seit Saisonbeginn ein frischer Wind, auch die verantwortungsvolle Position des Kreuzfahrtdirektoirs wurde neu besetzt. Wir hatten auf der ersten Kreuzfahrt zwischen Genua und Kiel bereits die Gelegenheit ein kurzes Interview mit Frau Claudia Nündel zu führen.

Foto: Oceanliner Pictures

1. Wie sind Sie 1998 zur Seefahrt gekommen?

Eine meiner besten Freundinnen hatte sich 1997 als International Ambassador auf ein Schiff von Royal Caribbean begeben. Sie hatte Gäste in verschiedenen Fremdsprachen betreut (Präsentationen, Übersetzungen, Ausflüge…) und hat mir vorgeschwärmt, das sei der richtige Job für mich. Sie wusste, dass mich seit langem, eigentlich seit meiner frühen Kindheit, als mein Vater während unseres mehrjährigen Aufenthaltes in Ägypten in verschiedenen Sprachen agierte, die Sehnsucht nach fernen Ländern und das Parlieren in vielen Sprachen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur umtrieb. Ich bewarb mich schließlich, ein Jahr später war es soweit. Diese erste Erfahrung ließ mich nicht mehr los – einmal See, immer See….

2. Sie haben bereits Stars wie Udo Jürgens und Mireille Mathieu betreut, waren für L´Oréal tätig und sind ausgebildete Dolmetscherin bzw. Übersetzerin, kann es da überhaupt noch neue Herausforderungen geben?

Das Leben bietet immer neue Herausforderungen, jeder Tag ist eine Herausforderung mit all seinen Facetten. Natürlich bin ich sehr dankbar, so vielfältige Erfahrungen gemacht zu haben. Sie haben mich immer weiter vorangebracht und mich geformt zu dem, was ich heute bin. Aber gerade weil ich so vieles erlebt und gesehen habe, sind manchmal auch die „kleineren, unspektakulären“ Dinge eine Herausforderung. Sicher ist es für mich eine Umstellung, von den Ozean-Riesen wieder auf ein kleineres Kreuzfahrtschiff wie MS Ocean Majesty mit familiärerem Ambiente umzusteigen. Diesen Wechsel habe ich jedoch bewusst gewählt. Die Herausforderung meiner neuen Aufgabe ist, ein viel breiteres Verantwortungsspektrum zu haben und kreativ mitgestalten zu können. Meine neue Position erlaubt viel kürzere Entscheidungswege und damit ein recht zügiges Agieren im Sinne der Zufriedenheit und des Wohlbefindens unserer Gäste. Ich sehe dies als einen enormen Vorteil an und freue mich auf diese Herausforderung.

3. Sie sprechen überdurchschnittlich viele Fremdsprachen, neben Ihrer Muttersprache Deutsch nämlich auch Englisch, Russisch, Spanisch, Italienisch und Französisch – wie ist es dazu gekommen?

Auf Grund meiner Herkunft aus der ehemaligen DDR und wegen der bereits erwähnten Sehnsucht nach fernen Ländern ergriff ich den Beruf der „Diplomsprachmittlerin“ für Französisch/Spanisch, das heißt im gesamtdeutschen Sprachgebrauch Dolmetscherin/Übersetzerin. Bereits in der 5. Klasse, als ich begann Russisch zu lernen, entdeckte die Russisch-Lehrerin nach wenigen Wochen mein offensichtliches Sprachtalent. Sie ließ mich vor der Klasse ein Gedicht aufsagen, das die „Matrioschka“ (die russische Holzpuppe) beschrieb. Sie war begeistert von meiner akzentfreien Aussprache und förderte mich von jenem Moment an. Als die weiteren Fremdsprachen Englisch und Französisch im Laufe der Schulzeit hinzukamen, war ich DAS Sprachtalent geworden, denn ich setzte mich nie lange hin, um Vokabeln oder Grammatik zu lernen, mir flog das irgendwie zu, selbst ohne Praktika in den einzelnen Ländern, denn diese waren mir systembedingt auch während meines Studiums an der Karl-Marx-Universität Leipzig nicht vergönnt. Auch heute noch gibt es Situationen, in denen mich Franzosen fragen, woher aus Frankreich ich denn kommen würde. So kam es auch, dass ich die einzige dieser Sprachen, die ich nie wirklich studiert habe, Italienisch, dann an Bord der Costa Schiffe spielend leicht im Alltag erlernte.

4. Gibt es einen Ort auf der Welt, den Sie unbedingt noch einmal bereisen möchten?

Der Reiz des Fremden und der Ferne hat sich mittlerweile etwas gelegt, denn je mehr ich gesehen habe, desto mehr wurde mein Hunger gestillt. Dennoch würde ich gern Südamerika mit Chile und Patagonien bereisen.

5. Haben Sie schon einen Lieblingsplatz an Bord der MS Ocean Majesty gefunden, an dem Sie sich besonders gerne aufhalten?

Ich bin ja erst wenige Tage an Bord, aber ich kann mir vorstellen, dass die Observation Lounge ein Ort des Verweilens für mich wird. MS Ocean Majesty ist sehr freundlich und einladend gestaltet. An Bord findet der Gast eine klassische Atmosphäre mit vielen Details sehr zeitgemäß gestaltet, sodass man sich gleich wohl fühlt.

6. Gibt es ein herausragendes Erlebnis, auf welches Sie während Ihrer Laufbahn als Hostess bzw. Kreuzfahrtdirektorin zurückblicken?

Sicher gibt es zahlreiche Momente, die mir als zu Herzen gehende Ereignisse im Gedächtnis geblieben sind. Dazu zählen zweifellos persönliche Schicksale älterer allein reisender Gäste als auch wunderbare positive Augenblicke. Ich habe viele Künstler an Bord begrüßen und betreuen dürfen wie Andy Borg, Bernhard Brink, Semino Rossi, die Kastelruther Spatzen usw. Oft haben Gäste sich am Ende einer Kreuzfahrt mit Tränen in den Augen verabschiedet und gesagt, dies sei das schönste Erlebnis in deren Leben gewesen, alles wäre so persönlich und gelungen organisiert und inszeniert worden. Zwei Momente möchte ich jedoch benennen, die richtige Highlights waren: ich habe an Bord den Mann meiner Träume kennengelernt. Das zweite Highlight war die Indienststellung der MSC Magnifica. Noch heute bekomme ich Gänsehaut wenn ich an das Tauffeuerwerk im Hamburger Hafen denke, das war einer der schönsten Momente meiner Laufbahn an Bord der Kreuzfahrtschiffe.

7. Welche Dinge machen Ihnen im Berufsalltag als Kreuzfahrtdirektorin besonders Freude?

Kurz gesagt ist es der Facettenreichtum, der einem an Bord in geballter Form begegnet. Es menschelt überall, sowohl unter den Besatzungsmitgliedern, denn wir leben ja an Bord, als auch unter den Gästen, denn auch sie sind für einen Moment bei uns zu Hause. Alles, was es dazu braucht, dass der Gast sich wohl fühlt versuchen wir zu organisieren. Und natürlich die Tatsache, fast jeden Tag an einem anderen Ort in der Welt zu sein. Das macht mir immer noch Spaß. Routine und alltägliches Einerlei in einem Büro an Land sind eher nicht sehr erfüllend für mich.

8. Welche besonderen Eigenschaften braucht man aus Ihrer Sicht für die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff (gleich welche Position)?

Flexibilität und Gelassenheit sind wohl wichtige Voraussetzungen. Das Schiff ist ständig den Seebedingen und anderen politischen und geografischen Bedingungen ausgesetzt, die sich stündlich ändern können. Deshalb sind alle Besatzungsmitglieder angehalten, entsprechend darauf reagieren zu können. Natürlich planen wir und haben aus den Erfahrungen meist auch einen „Plan B“, aber ohne diese beiden Eigenschaften sind solche Situationen schwer zu meistern. Grundvoraussetzungen sind auf jeden Fall eine recht strenge Disziplin, Ordnung, Pünktlichkeit und Organisationsfähigkeit, denn das Leben muss nach festen Regeln auf engstem Raum organsiert werden. Wer sich nicht daran hält, kann auf einem Kreuzfahrtschiff nicht arbeiten. Und wer nicht gewillt ist, sich in ein Team einzufügen und im Team zu arbeiten, dürfte ebenfalls keine guten Karten haben.

9. Wo liegt Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Arbeit auf einem großen Kreuzfahrtschiff und der familiären MS Ocean Majesty?

Ich hatte schon erwähnt, dass speziell in meiner Position die Entscheidungswege viel kürzer sind und damit ein individuelleres und zügigeres Reagieren auf Wünsche und Umstände möglich werden dürfte. Auf einem kleinen Schiff wie MS Ocean Majesty mit maximal 500 Gästen begegnet man sich viel öfter wieder, so dass auch das Verhältnis zum Gast viel persönlicher wird. Auf einem großen Schiff war ich bei 3000 Gästen an Bord nicht in der Lage, jeden Gast einmal persönlich zu sprechen während einer 7-tägigen Reise. Ich blieb für viele „die Dame auf der Bühne“. Auf der MS Ocean Majesty werde ich viel mehr mit dem Gast ins Gespräch kommen.

10. Vervollständigen Sie bitte folgende Sätze:

In fünf Jahren möchte ich… sagen können, zur Weiterentwicklung des Produktes der MS Ocean Majesty beigetragen zu haben, und bei guter Gesundheit weitere 5 Jahre fahren.

Die MS Ocean Majesty ist… ein kleines aber feines Schiff mit familiärem Ambiente, das mich zu den Ursprüngen meiner Laufbahn auf den Hochseeschiffen zurückführt.

Wenn ich nach längerer Zeit von See zurück nach Hause komme, muss ich zuerst… Zeit für mich haben, ich schlafe mehr und treibe mehr Sport, ich genieße die Zeit mit meiner Familie und mit Freunden. Aber nach 14 Tagen kommt dann auch schon wieder der Wunsch nach Schiff auf… Man kann fast von einer Sucht sprechen…

http://www.schiffsjournal.de/hansa-touristik-angebote/